Eine Oase der Hoffnung
Wellblech, Telefonmasten, überzogen mit Kabeln aller Art, Müll am Straßenrand, als wäre er schon immer Teil der Landschaft. Kilometerweit das gleiche Bild.
Der Highway, auf dem wir fahren, wird links und rechts von Zäunen und meterhohen Betonmauern flankiert. Ich frage unseren Fahrer Byron, wozu diese Absperrungen nötig sind. „Viele Menschen hier sind so arm, dass Überfälle auf anhaltende Fahrzeuge zum Alltag gehören. Die Absperrung soll davor schützen.“ Hin und wieder eine Lücke im Schutzwall, dahinter verwinkelte Pfade, in denen Kinder spielen und Menschen ihrer Arbeit nachgehen. Bauern treiben ihr Vieh durch Löcher im Zaun, um es auf einer Grünfläche zwischen Wall und Autobahn grasen zu lassen.
Wir, das heißt unser zebra-Team mit Kameramann Daniel Frerix, Co-Gründer, Geschäftsführer und Fotograf Joerg Fieback, Projektkoordinatorin Dörte Wahn-Neubert und ich, Luca Fieback, als Interviewer, sind auf dem Weg nach Delft, einem Township mit rund 150.000 Einwohner:innen und einer der höchsten Kriminalitätsraten weltweit. Zwischen April 2025 und März 2026 meldete der Polizeibezirk Delft über 11.000 Straftaten, darunter 239 Morde und knapp 4.000 Drogendelikte. Bei den gemeldeten Vergewaltigungen gehört Delft südafrikaweit zu den drei schlimmsten Bezirken (safesuburb.co.za; cititzen.co.za, 2026).
Mitten im Herzen von Delft liegt ein Gelände, das durch Stacheldraht, Videokameras und Sicherheitspersonal geschützt ist: der Campus “The Nex – Indawo Yethu” der gemeinnützigen Entwicklungsorganisation HOPE Cape Town. Seit 2019 unterstützen wir die Initiative pro bono mit Kommunikationsarbeit, in Dresden und in Kapstadt. Unser Auftrag für die nächsten drei Tage: Interviews, Video- und Fotoaufnahmen für ein neues Magazin und mehrere Kurzfilme sammeln, um den vielen Unterstützer:innen aus Dresden und ganz Deutschland vor Augen zu führen, was sie mit ihren Spenden bewirken und wo weitere Hilfe gebraucht wird.
Am Campus empfängt uns Stefan Hippler, Pfarrer der deutschsprachigen katholischen Gemeinde in Kapstadt und Gründer von HOPE Cape Town. Er führt uns über das Gelände, durch das Gesundheitszentrum und über die Gartenanlagen. Dabei begegnen uns immer wieder Mitarbeitende, Patient:innen und Schüler:innen. Hippler scheint sie alle gut zu kennen, er scherzt und lacht laut mit ihnen. Für viele hier ist er eine Art Papa der ganzen HOPE-Familie, wie wir später aus vielen Interviews erfahren.
Was ebenfalls schnell klar wird: Dieser Ort ist etwas Besonderes für die Menschen aus Delft. Hier können sie sich medizinisch versorgen lassen und ihre Kinder in Tagesbetreuung geben. Schüler:innen bekommen Nachhilfe, Tanz- und Lyrik-Kurse geben jungen Menschen eine Möglichkeit, sich auszudrücken, Schulabgänger:innen erhalten Orientierung und Beratung für ihren Berufsweg. Die Obst- und Gemüsegärten liefern frische, bezahlbare Nahrungsmittel für die Nachbarschaft, und eine hydroponische Anlage dient als Aus- und Weiterbildungsstätte für Studierende aus dem gesamten Westkap.
Im Kontrast zur Welt vor dem Tor gleicht der Campus einer Oase: einer Oase der Hoffnung. Er bietet den Menschen aus Delft einen sicheren Hafen, abseits der harten Wirklichkeit des Townships. Oder, wie es eine freiwillige HOPE-Helferin formuliert: „Wenn man durch dieses Tor kommt, begrüßt dich jeder mit einer Umarmung.“
Im Garten interviewen wir eine Gruppe ehrenamtlicher Senior-Helfer:innen. Sie bringen auf den Punkt, was HOPE Cape Town für sie und für das Township bedeutet: „Wir sind mehr als dankbar, denn unseren Kindern werden Möglichkeiten gegeben. Unsere Babys bekommen Hilfe. Unsere Jugendlichen sind in Programme eingebunden.“ Auffällig ist, dass die Dankbarkeit nicht beim Empfangen endet. Die Frauen sind vor allem dankbar dafür, selbst etwas geben zu können: Zehn Prozent ihrer Ernte gehen an Suppenküchen in der Nachbarschaft.
Die Eindrücke und Gespräche dieser Tage werden wir nicht vergessen.
Wir sind mehr als dankbar, denn unseren Kindern werden Möglichkeiten gegeben. Unsere Babys bekommen Hilfe. Unsere Jugendlichen sind in Programme eingebunden.“
Entstanden sind daraus das zweite HOPE-Magazin und mehrere Kurzfilme, die im Oktober 2026 auf der HOPE-Gala in Dresden Premiere hatten. Die Benefizveranstaltung wurde 2006 von der Unternehmerin Viola Klein ins Leben gerufen und hat seitdem über drei Millionen Euro an Spenden für HOPE Cape Town gesammelt. Einen kleinen Beitrag für die Menschen in Delft leisten zu können, ist für uns bei zebra etwas ganz Besonderes.
Alle Ergebnisse gibt es zum Nachlesen und Anschauen in unserem Case zum Projekt.
HOPE Cape Town kann jeden Euro der Unterstützung gebrauchen. Spenden können über die Website der HOPE-Gala Dresden oder über HOPE Cape Town getätigt werden.
Ihr/e Ansprechpartner/in
Dörte Wahn-Neubert